Digitale Geschichte - Echter Spaß

Geschichtsstunden der etwas anderen Art erlebten die Schüler der Klasse 7c, als sie sich die letzten Wochen im Rahmen eines Projekts mit einem Computerspiel in der Welt des Mittelalters befassten. Da wurden fleißig Bauernhöfe errichtet und Holzfäller angeworben, um das eigene kleine Dorf wachsen zu sehen. Dem Netzwerk im IT-Raum war es zu verdanken, dass die Schüler dabei auch gemeinsam spielen konnten und sich die eigenen Siedlungen somit in guter Nachbarschaft befanden. Nicht selten waren Gespräche wie „Moment, du hast doch Eisen. Ich könnte dir dafür Stein anbieten. Da kommen wir doch sicher ins Geschäft, oder?“ zu vernehmen und der Handel florierte auf diese Weise. Freud und Leid, Aufstieg und Fall, Komödie und Tragödie lagen jedoch oft eng zusammen, nicht zuletzt, wenn eine mühsam aufgebaute Stadt langsam auseinanderbrach, weil Raubtiere das Vieh der Bauern gerissen hatten und plötzlich keine Nahrung mehr für die eigene Bevölkerung zur Verfügung stand oder sich Bürger zu einer Revolte erhoben, weil sie das Joch der ungerechten, hohen Besteuerung nicht länger ertragen konnten. Häufig sehr zum Leidwesen der vor dem PC sitzenden Herrscher.

Das Spielen war jedoch keinem Selbstzweck geschuldet. Getreu dem Horazschen Postulat „prodesse et delectare“ (= nützen und erfreuen) sollten die Schüler Angenehmes mit Nützlichem verbinden und mithilfe ihres bisher erworbenen Geschichtswissens über das Mittelalter das Computerspiel dahingehend analysieren, welche Bestandteile realistisch bzw. welche unrealistisch dargestellt werden. Jüngste universitäre Studien haben nämlich gezeigt, dass die Darstellungen geschichtsaffiner Themen in neuen Medien das Geschichtsbewusstsein von Schülern sehr stark – und häufig auf falsche Weise – prägen. Jedoch erwiesen sich die Schüler der Klasse 7c der Hans-Scholl-Realschule als sehr findig beim Ausmachen historischer Unzulänglichkeiten und beteiligten sich im Anschluss an die Spielphase mit Feuereifer an der Auswertung ihrer gesammelten Daten. Auf diese Weise konnten sie nicht nur ihr Geschichtswissen auf die Probe stellen, sondern auch ihre Medienkompetenz weiterentwickeln. Denn nicht wenige von ihnen kamen im Nachhinein doch ins Grübeln, ob man den Botschaften von und den Darstellungen in Computerspielen so blind vertrauen darf.

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